Die Gründung des Stammes
Auf Initiative von Fritz Zeller und Karl Wichtler fanden sich im Jahre 1932 die ersten Georgspfadfinder in Großauheim zusammen.

Sie erfuhren Unterstützung von der Sturmschar „Wolkenburger“ der katholischen Jugend der Pfarrei St. Jakobus. Schließlich gingen sogar einige Gründungsmitglieder des Stammes aus der Sturmschar selbst hervor.
Die offizielle Gründung des Stammes St. Paul erfolgte dann im September 1932. Der erste Stammesführer hieß Fritz Zeller und seine erste Gruppe (Jungen über 14 Jahre) nannte sich Sippe „Büffel".
Schon zuvor war die Wölflingsgruppe „Rote Horde“ (zehn Jungen unter 14 Jahren, roter Wolfskopf) zustande gekommen, deren Leitung Fritz Zeller ebenfalls übernommen hatte. Im Laufe der Zeit wurde eine zweite Wölflingsgruppe (blauer Wolfskopf) gegründet.
Es wurden ein Pfadfinderbanner und ein Wölflingswimpel von der Schwester von Helmut Bertuch genäht und bestickt.
Die Bannerweihe fand schließlich am 9. April 1933 statt.

Verfolgungen im Dritten Reich
Wie alle katholischen Jugendorganisationen mussten auch die Pfadfinder in Großauheim Verurteilungen und Verbote durch das NS-Regime hinnehmen. 

Da sich die Pfadfinder nicht fügten, bekamen sie die Schikanen der Hitlerjugend zu spüren. 
In einem vertraulichen Verordnungsblatt der Reichsjugendführung der HJ hieß es: 
“... der Stabsführer nimmt Stellung zu dem Herumstrolchen und wilden Wandern an Sonn- und Feiertagen. 
Pfingsten soll durch den Streifendienst im ganzen Reich einmal festgestellt werden, wer an solchen Tagen wandert und welche Gruppen sich diszipliniert und welche undiszipliniert verhalten...“

Am 27. Mai 1933 schrieb der Landrat in einem Brief:
„...es wird in verschiedenen Eingaben gesagt, dass die Leute der Jugendorganisationen durch Großauheim marschieren und nicht, wie vom Reichsgericht entschieden, dabei den nationalen Gruß gebrauchen, sondern durch Erheben der Hand mit drei Fingern grüßen...“

Ein Protokoll vom 23. August 1933 enthielt folgende Bemerkung des HJ-Scharführers von Großauheim:
„... Die konfessionellen Verbände haben nicht das Recht, Wehrsport zu treiben, sondern sie hätten nur zu beten. Wenn er wolle, könne er unseren Laden voll Dreck auseinanderhauen...“

Der Regierungspräsident von Kassel hatte am 24. Mai 1934 unter dem Verbot des öffentlichen Auftretens der Jugendverbände verordnet, 
dass darunter alle Veranstaltungen fallen, die jedermann zugänglich sind,
weiter das Tragen von Bundestracht bei Prozessionen, Bittgängen und sonstigen Umzügen. Doch schon im November 1934 nahmen die Pfadfinder wieder in Kluft am Jubiläum von Pfarrer Dunkel teil. 
Zu dieser Zeit hatte der Stamm 30–40 Mitglieder. 
Die Gruppenstunden wurden weiterhin im „Nest“ neben der Schwesternschule (umgebauter Schweinestall des ehemaligen Gasthauses „Goldene Krone“) abgehalten.
Im Jahr 1937 wurde der Stamm von Karl Wichtler übernommen. 
Schließlich aber konnte nicht verhindert werden, dass die katholischen Jugendverbände zu „staatsfeindlichen Organisationen“ erklärt wurden, was ihr endgültiges Verbot bedeutete. 
Karl Wichtler wurde am 3. August 1937 für kurze Zeit verhaftet, entsprechend befragt und dabei das Stammesbanner beschlagnahmt. Daher konnte die weitere Pfadfinderarbeit während des Krieges nur im Untergrund druchgeführt werden. So sorgte Viktor Hain dafür, dass die Pfadfinder vom Roten Kreuz aufgenommen wurden. 
Da jeder Jugendliche nur noch einer Organisation angehören durfte, konnte damit auch die Mitgliedschaft in der HJ umgangen werden.

 

Neues Leben blüht aus den Trümmern

Schon bald nach dem Krieg konnte mit dem Wiederaufbau des Stammes begonnen werden, was Karl Wichtler ab 1946 auch tat!

Die Mitglieder des Stammes in den ersten Nachkriegsjahren waren unter anderem:
Karl Wichtler als Stammesfeldmeister, 
Franz Weiß, Werner Lippert, Hans Krick, Berthold Pikard und Kurt Barthelmeh.
Pfarrer Anton Dunkel wurde Kurat des wiederbelebten Stammes.

 

Die 50er Jahre
In den 50er Jahren nahm die Mitgliederzahl des Stammes stetig zu, wodurch sich zwei neue Sippen „Luchs“ und „Wolf“ bildeten.

Peter Kaiser war der erste Gruppenführer der Wölflingsstufe nach dem Krieg. 1952 ließ der Stamm das heute noch genutzte Wölflingsbanner anfertigen. Peter Kaiser und sein Bruder Klaus zogen nach Hanau, um dort 1953 den Stamm Speerflug in der Pfarrgemeinde Mariae Namen zu gründen. Nach dem Umzug von Peter Kaiser wurden Paul Lenz und Ottmar Kurzschenkel die nachfolgenden Wölflingsleiter.
Wolfgang Botzum löste 1954 Karl Wichtler in seinem Amt als Stammesfeldmeister ab. 
Schon 1956 ergab sich eine weitere Änderung in der Stammesführung. 
Fred Förster wurde Stammesfeldmeister, seine Stellvertreter waren Wolfgang Heinrich und Wolfgang Botzum. 
Die Gruppenstunden fanden zu dieser Zeit im Alten Pfarrheim, aber auch im „Nest“ neben der Schwesternschule statt. 
Der Stamm hatte ca. 35 Mitglieder. 1956 stieg Lilo Grafried, die Schwester von Stammesmitglied Klaus Grafried, als „Akela“ (Wölflingsleiterin) ein. 1957 folgte ihr Helga Ross als Meutenhelferin. 
Paul Lenz wurde 1958 zum Stammesfeldmeister ernannt.

 

Die 60er Jahre
Anfang der 60er Jahre zählte der Stamm immerhin noch 26 Mitglieder. 
Aber die Zahl der Mitglieder ging bis 1968 auf 22 Pfadfinder zurück und Ende 1969 waren es nur noch zwei Mitglieder - Michael Kurzschenkel und Bernd Stolper.
Der Stamm St. Paul drohte in den gesellschaftlichen Umbrüchen dieser Jahre unterzugehen. 
Die DPSG hatte 1966 zunächst ein neuesLilienbanner eingeführt und änderten in der neuen Satzung die Bezeichnungen:
Bundesversammlung (statt Bundesthing), Vorsitzender (statt Feldmeister), Leiter (statt Führer). 
Weiterhin stieß die pädagogische Diskussion eine Neuverfassung der Ordnung des Verbandes an.

 

Die 70er Jahre

In den 70er Jahren erholte sich der Stamm langsam wieder vom Mitgliederschwund. Michael Kurzschenkel leitete 1970 die erste neue Pfadfindergruppe. Letztendlich gehörten 1979 wieder ca. 50 Pfadfinder in allen Altersstufen zum Stamm.
Innerhalb der DPSG gab es weitere große Umbrüche. Offiziell konnten seit 1970 Mädchen und Frauen Mitglieder der DPSG werden. Das Pfadfindergesetz von 1930 wurde ersetzt und weitergeführt in den „Grundlinien unserer Lebensauffassung“: Leben in Hoffnung, Leben in Freiheit, Leben in Wahrheit und Leben in tätiger Solidarität. Inhaltlich wendete sich die DPSG vom Waldläufertum ab und orientierte sich an einer neuen Gruppenpädagogik, in der Kooperation und Verantwortung durch Erfahrung und Erleben gelernt werden sollten. Sie verfolgte damit den direkten Weg, der auf die Vorstellungen Baden-Powells zurückgeht.

 

Die 80er Jahre
Unter Stammesleiter Bernhard Hombach erreichte der Stamm Anfang der 80er Jahre wieder einen großen Zuspruch. Der Mitgliederstand vergrößerte sich bis 1982 auf 70 Jugendliche.
Neben Wölflingen und Jungpfadfindern gab es auch zwei Pfadfindergruppen, eine Jungrovergruppe und eine Rovergruppe. Den Gruppen stand im Alten Pfarrhaus ein Gruppenraum von ca. 10 m² zur Verfügung. Grundlegend wurden die Räumlichkeiten des alten Pfarrheims von allen Jugendgruppen und Erwachsenen der Pfarrgemeinde genutzt, sodass täglich mindestens drei Gruppen den Gruppenraum benutzten. Aus diesem Grund wurden einige der Gruppenstunden in nahe gelegene Gaststätten verlegt. 
Im ersten Stock befanden sich eine Wohnung und die Pfarrbibliothek. Daher gab es dort keinen Platz zur Lagerung des Zeltmaterials oder gar einen Werkraum. Zusätzlich dazu waren zu dieser Zeit auch die Ballspiele im Hof verboten. Um diesem Engpass zu umgehen, renovierte der Stamm in Eigenleistung ein kleines Haus in der Taubengasse, welches den Schwestern der Josefschule gehörte. 
Dort fanden regelmäßige Aktionen des Stammes, wie z.B. die Weihnachtsfeier, Ostereieraktion, Vorbereitungen für den Pfarrabend am Faschingssamstag und die Faschingsfeten in der Scheune statt. Ebenso wurden dort die Sommerlager geplant und eine eigene Stammeszeitung aufgelegt.


Vom 18. bis 20. Juni 1982 feierte der Stamm St.Paul sein 50 jähriges Bestehen. Im Rahmen dieses viel besuchten Festes gab es unter anderem ein großes Schaulager und Live-Acts auf den Mainwiesen, sowie eine akademische Feier mit großer Ausstellung im ehemaligen Sitzungssaal der Stadt Großauheim.
Als sich 1984 in der Pfarrei Heilig Geist eine Siedlung mit einer Pfadfinder- und einer Rovergruppe bildete, leitete Joachim Dankert den Aufbau. 1987 musst diese jedoch wegen Leitermangel aufgegeben werden. Alle „übriggebliebenen“ Pfadfinder wechselten in den Stamm St. Paul über.
1984 kamen wieder Gruppenleiterinnen in den Stamm. Iris Simon und Sabine Lachmann legten bei Stammesleiter Michael Hofmann ihr Leiterversprechen ab. Iris Simon baute eine reine Mädchengruppe mit Wölflingen und Jungpfadfinderinnen auf. Die Mädchen wurden später mit den Jungen in koedukativen Gruppen integriert, was dem pädagogischen Konzept der DPSG entsprach.
Ende der 80er Jahre übernahm Iris Simon als erste Frau im Stamm St. Paul ein Vorstandsamt. Die Kapläne Alois Bilo, Erwin Bednaczyk, Hermann-Josef Nickel und 
Albrecht Vey waren in dieser Zeit engagierte Stammeskuraten.

 

Die 90 Jahre

Bis Anfang der 90er Jahre war die Zahl der Mitglieder im Stamm wieder etwas geschrumpft, aber nach wie vor gab es in jeder Alterstufe eine Gruppe.
Der Stamm zog Ende 1990 vom Nest in der Taubengasse wieder zurück in das nun leer stehende Alte Pfarrheim. Es stand, wie im Nest, für jede Gruppe ein eigenes Zimmer zur Verfügung und das Zeltmaterial konnte auf dem

Dachboden untergebracht werden. Das Spielen im Hof war nun nicht mehr verboten.
Iris Simon und Christof Majunke stellten Anfang der 90er Jahre die Stammesleitung das Amt des Kuraten war jedoch für viele Jahre vakant.
Aus den Gruppenleitern und Rovern der 80er Jahre entwickelte sich eine Mitarbeiterrunde, die sich außerhalb der aktiven Jugendarbeit eigene Aufgaben suchte und übernahm, wie zum Beispiel den Stand auf dem Weihnachtsmarkt und die Organisation des alljährlichen Kirchweihfestes der Pfarrei St. Jakobus.
Am 29. Februar 1992 wurde aus diesen Reihen der Freundes- und Fördererkreis des Stammes St. Paul (der so genannte „e.V.“) gegründet.
Stammesunternehmen wie der Schwimmbadbesguch im Herbst und die Waldweihnacht fanden regelmäßig statt.
Mitte der 90er Jahre wuchs eine neue Generation unter der Stammesleitung von Stefan Hampel und Frank Nonnenmacher heran. Die Arbeit dieser eingeschworenen und aktiven Leiterrunde bot Kontinuität im Lagerleben, welche in den alle zwei Jahre stattfindenden großen Sommerlagern gipfelte. Besonders die ausgeklügelten Geländespiele wurden legendär. Zusätzlich etablierte sie Veranstaltungen wie den Weihnachtsbaumverkauf und dasjährliche Sommerfest. 
1999 trat mit Kaplan Dirk Krenzer nach langen Jahren der Vakanz endlich ein aktiver Stammeskurat dem Vorstand bei.

   

Das neue Jahrtausend
Die Mitgliederzahl belief sich zu Beginn des neuen Jahrtausends auf 60 - 70 Mitglieder. 
Seit 2004 fand erneut ein Generationenwechsel in der Stammesleitung statt. Es wurden Eric Kurzschenkel und Karsten Stolper als neue Vorstände gewählt. Bereits seit 2002 verstärkt Andrea Weitzel das Team als Kuratin. Nach allen vorangegangenen Kaplänen ist auch sie die erste Frau in diesem Amt. Zu dieser Zeit bestand der Stamm aus einer Wölflingsgruppe, zwei Jungpfadfindergruppen, einem Pfadfinder sowie der Leiterrunde und der Mitarbeiterrunde.
Regelmäßige Lager und Fahrten zu Pfingsten, im Sommer und Herbst, die jährlichen Stammesausflüge, das Bannertragen zu den kirchlichen Feiertagen, das Sommerfest, seit 2002 auch die Weitergabe des Friedenslichtes aus Betlehem sowie die traditionelle Waldweihnacht mit der Versprechensfeier bestimmen bis heute das Stammesleben.
Im September 2006 beteiligte sich der Stamm an den Feierlichkeiten anlässlich des 1200jährigen Bestehens des Ortes Großauheim. So wurden für ein Wochenende das Alte Pfarrhaus zu einer mittelalterlichen Pilgerherberge und alle Pfadfinder zu Mädgen, Knechten, Rittern und Pilgern.
Vom 15.-17. Juni 2007 beging der Stamm mit einem Lager auf den Mainwiesen sein 75jähriges Jubiläum. Zur großen Freude des Stammes feierten befreundete Pfadfinderstämme aus der näheren und weiteren Umgebung dieses Ereignis mit. Neben dem gemeinsamen Lagerleben standen ein Bunter Abend mit Beiträgen aus allen Stufen sowie Karl Wichtler und Fritz Zeller als Ehrengäste, ein großes Stadtspiel, das inzwischen schon fast traditionelle Kistenklettern sowie ein gemeinsamer Festgottesdienst in der Paulskirche auf dem Programm.Nach allen Jubiläen wurde 2008 endlich wieder ein großes Sommerlager geplant
. Unter dem Motto "Schottische Wochen bei McPaul“ begaben sich alle Alterstufen auf die Spuren der schottischen Clans. Bislang wurden in fast acht Jahrzehnten alle Klippen erfolgreich gemeistert und wir hoffen auf eine gute gemeinsame Zukunft..